Der neue In Gold We Trust Report 2026 ist erschienen – und die diesjährige Ausgabe liefert eine der deutlichsten Botschaften der vergangenen Jahre: Gold gewinnt weltweit wieder monetäre Bedeutung. Die Autoren rund um Ronald-Peter Stöferle sehen die sogenannte „Goldene Dekade“ bestätigt und halten im inflationären Szenario einen Goldpreis von bis zu 8.900 US-Dollar je Unze bis 2030 für möglich.
Von 4.800 zu 8.900 Dollar – warum die Prognose angehoben wurde
Als der In Gold We Trust Report im Jahr 2020 ein Kursziel von 4.800 US-Dollar bis 2030 formulierte, galt das für viele Beobachter als extrem optimistisch. Damals notierte Gold knapp über 2.000 Dollar je Unze. Inzwischen wurde dieses Ziel bereits Anfang 2026 erreicht – deutlich früher als erwartet.
Deshalb rückt nun das sogenannte „inflationäre Szenario“ stärker in den Fokus. Dieses sieht einen Goldpreis von bis zu 8.900 US-Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts vor. Laut Report wäre dafür ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg von rund 14 Prozent notwendig – historisch betrachtet kein unrealistischer Wert. Gold legte in den vergangenen 20 Jahren in Euro durchschnittlich um rund 11 Prozent pro Jahr zu und verzeichnete dabei nur wenige Verlustjahre.
Zentralbanken kaufen Gold wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Ein zentrales Thema des Reports bleibt die massive Goldnachfrage der Zentralbanken. Seit inzwischen 15 Jahren kaufen Notenbanken weltweit netto Gold hinzu – und seit vier Jahren sogar auf Rekordniveau. Laut den Autoren wird inzwischen rund ein Viertel der jährlichen Minenproduktion direkt von Zentralbanken absorbiert.
Besonders spannend: Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass die tatsächlichen Käufe deutlich höher liegen als offiziell gemeldet. Schätzungen zufolge könnten Zentralbanken derzeit bis zu 60 Tonnen Gold pro Monat erwerben.
Für den Report ist das ein klares Signal: Staaten sichern sich zunehmend mit Gold ab – unabhängig vom bestehenden Währungssystem. Genau diese Entwicklung wird als „Remonetarisierung“ bezeichnet: Gold gewinnt wieder eine strategische Rolle innerhalb der globalen Finanzarchitektur.
Gold wird zum Mainstream-Investment
Was lange als Nischenthema galt, erreicht inzwischen den breiten Markt. Neben Zentralbanken steigen auch ETFs, institutionelle Anleger und Privatinvestoren verstärkt in Gold ein. Der aktuelle Bullenmarkt hat damit laut Report endgültig den Mainstream erreicht.
Besonders interessant ist dabei die Entwicklung klassischer Portfolio-Strategien. Während früher das bekannte 60/40-Modell aus Aktien und Anleihen dominierte, gewinnen alternative Bausteine zunehmend an Bedeutung. Incrementum – das Unternehmen hinter dem Report – empfiehlt seit Jahren ein erweitertes Portfolio mit Gold, Rohstoffen und Bitcoin. Mittlerweile greifen selbst große Investmenthäuser wie Morgan Stanley ähnliche Konzepte auf.
Der Hintergrund: Viele Anleger suchen nach Vermögenswerten, die unabhängig von klassischen Finanzsystemen funktionieren und Schutz vor Inflation, geopolitischen Risiken und wachsender Staatsverschuldung bieten.
Tether und die digitale Rückkehr des Goldes
Ein besonders spannender Aspekt des diesjährigen Reports ist die Rolle von Tether. Der weltweit größte Stablecoin-Anbieter hält mittlerweile rund 150 Tonnen Gold und kauft laut Report kontinuierlich weiter zu.
Damit entsteht eine bemerkenswerte Entwicklung: Die modernste Form digitaler Währungen stützt sich im Hintergrund auf eines der ältesten monetären Assets der Welt. Der Report bezeichnet Tether deshalb als eine Art „Schatten-Goldbank“ außerhalb des traditionellen Finanzsystems.
Für die Autoren zeigt dieses Beispiel vor allem eines: Selbst digitale Finanzmodelle bauen am Ende wieder auf Vertrauen in reale Vermögenswerte – und Gold spielt dabei eine zentrale Rolle.
Rohstoffe werden strategisch wichtiger
Neben Gold rückt auch der gesamte Rohstoffsektor stärker in den Fokus. Besonders Silber bleibt laut Report strukturell interessant. Die globale Minenproduktion stagniert seit Jahren, während die industrielle Nachfrage weiter steigt.
Gleichzeitig verändern geopolitische Entwicklungen den Umgang mit Rohstoffen grundlegend. Exportbeschränkungen, strategische Lagerhaltung und der Kampf um kritische Metalle zeigen laut Report, dass Rohstoffe zunehmend als geopolitische Instrumente betrachtet werden.
Gold, Silber und andere knappe Ressourcen entwickeln sich dadurch immer stärker zu strategischen Vermögenswerten – nicht nur für Anleger, sondern auch für Staaten.
Hat Basel III die Goldrallye ausgelöst?
Im Video wird außerdem eine Frage aufgegriffen, die viele Anleger beschäftigt: Hat die neue Basel-III-Regelung die jüngste Goldrallye ausgelöst?
Seit Juli 2025 dürfen Banken Gold in den USA zu 100 Prozent seines Marktwertes als erstklassiges Kapital („Tier 1“) anrechnen. Zuvor galt Gold regulatorisch als risikobehaftetes Asset und wurde deutlich schlechter behandelt.
Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig: Wenige Wochen nach Inkrafttreten der Regelung gewann die Goldrallye massiv an Dynamik. Laut Video dürfte Basel III zwar nicht der einzige Auslöser gewesen sein – aber sehr wahrscheinlich ein wichtiger Beschleuniger.
Zusammen mit Zinssenkungserwartungen, geopolitischen Spannungen und den massiven Zentralbankkäufen entstand ein Umfeld, in dem Gold zunehmend als letzter großer Vertrauensanker wahrgenommen wird.
Fazit: Gold wird wieder strategisch relevant
Der In Gold We Trust Report 2026 zeichnet das Bild einer Welt im Umbruch. Hohe Staatsverschuldung, geopolitische Spannungen, schwindendes Vertrauen in Währungen und die zunehmende Bedeutung nicht-inflationierbarer Assets verändern die globale Finanzlandschaft nachhaltig.
Gold steht dabei zunehmend im Mittelpunkt – nicht nur als Krisenschutz, sondern als strategischer Vermögenswert mit wachsender monetärer Bedeutung.
Die zentrale Botschaft des Reports lautet deshalb:
Gold ist längst nicht mehr nur Rohstoff oder Absicherung. Es wird wieder zu einem zentralen Bestandteil des globalen Finanzsystems.