Zentralbanken kaufen seit Jahren Gold – doch nun könnte eine weitere einflussreiche Käufergruppe stärker in den Markt drängen: Family Offices. Der neue „2026 Global Family Office Report“ der UBS zeigt, dass viele der langfristig orientierten Vermögensverwalter geopolitische Konflikte, steigende Staatsschulden und eine sinkende Bedeutung des US-Dollars als zentrale Risiken sehen.
Im neuen Video von philoro TV geht es um die Frage, was passiert, wenn genau diese Kapitalpools ihre Gold-Allokation erhöhen. Denn aktuell spielt Gold in vielen Family-Office-Portfolios noch kaum eine Rolle. Gerade darin könnte großes Potenzial liegen.
Was sind Family Offices?
Family Offices verwalten große Familienvermögen – oft exklusiv für eine einzelne Familie und über mehrere Generationen hinweg. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Renditen, sondern um langfristigen Vermögenserhalt, strategische Planung und Stabilität.
Genau deshalb ist der Blick dieser Investorengruppe besonders spannend. Family Offices denken nicht in Tagen oder Wochen, sondern in Jahrzehnten. Wenn sich ihre Einschätzung zu Risiken, Währungen und Vermögensschutz verändert, kann das langfristig große Auswirkungen auf die Märkte haben.
Über USD 600 Milliarden unter Beobachtung
Für den „2026 Global Family Office Report” hat UBS mehr als 300 Family Offices in über 30 Ländern befragt. Im Schnitt verwalten diese rund USD 2,7 Milliarden. Insgesamt geht es damit um mehr als USD 600 Milliarden an Vermögen.
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Veränderung im Denken dieser Investorengruppe. Noch 2020 gaben 70 Prozent der befragten Family Offices an, keine Veränderungen an ihrer Vermögensaufteilung zu planen. Nur 30 Prozent wollten etwas anpassen.
Heute sieht das fast umgekehrt aus: Für 2026 sagen 60 Prozent, dass sie ihre Allokationen verändern wollen. Nur 40 Prozent sind mit ihrer aktuellen Aufstellung zufrieden. Das deutet darauf hin, dass viele Family Offices die Zukunft als unsicherer einschätzen als noch vor einigen Jahren.
Geopolitik und Schuldenkrise als zentrale Risiken
Die größten Risiken sehen Family Offices laut Bericht bei geopolitischen Konflikten. Das überrascht angesichts der aktuellen Weltlage kaum. Besonders interessant ist jedoch der Blick auf die Schuldenkrise.
31 Prozent der Befragten erwarten, dass die Schulden bereits in den nächsten zwölf Monaten zum Problem werden. Noch deutlicher wird das Bild beim längeren Zeithorizont: Mehr als die Hälfte der Family Offices glaubt, dass die Schulden in den nächsten fünf Jahren zu einem ernsthaften Problem werden.
Das ist eine bemerkenswerte Einschätzung. Denn hier sprechen Vermögensverwalter, deren Aufgabe es ist, Familienvermögen langfristig zu sichern. Wenn mehr als die Hälfte davon ausgeht, dass Staaten ihre Bilanzen auf Dauer nicht in den Griff bekommen, ist das ein starkes Signal.
Das Vertrauen in den US-Dollar sinkt
Zur Sorge vor steigenden Schulden passt auch die Einschätzung zum US-Dollar. 65 Prozent der befragten Family Offices erwarten, dass die Bedeutung des Dollars in der nächsten Zeit sinken wird. Nur sechs Prozent gehen davon aus, dass der Dollar wichtiger wird.
Damit entsteht ein klares Bild: Eine große Gruppe langfristig orientierter Investoren rechnet mit wachsenden Schuldenproblemen und gleichzeitig mit einem Bedeutungsverlust der wichtigsten Reservewährung der Welt.
Für Gold ist das hochrelevant. Denn Gold gilt traditionell als Vermögensanker, wenn Vertrauen in Papierwährungen und staatliche Schuldensysteme nachlässt.
Gold spielt bisher nur eine Nebenrolle
Trotz dieser Sorgen halten Family Offices derzeit kaum Gold. Laut UBS-Bericht lag der Goldanteil in den Portfolios für das Jahr 2025 bei nur zwei Prozent. Noch weniger Kapital floss lediglich in Infrastruktur, andere Rohstoffe sowie Kunst und Antiquitäten.
Genau hier sieht Ronnie Stöferle von Incrementum großes Potenzial. Seine Einschätzung: Die langfristig orientierten Kapitalpools fürchten eine Schuldenkrise, misstrauen dem Dollar – halten aber gleichzeitig fast kein Gold.
Das lässt sich auf zwei Arten interpretieren. Bärisch könnte man sagen: Offenbar will niemand Gold. Bullisch betrachtet lautet die Schlussfolgerung anders: Viele große Investoren haben Gold noch gar nicht richtig entdeckt.
Was passiert, wenn Family Offices aufstocken?
Sollten Family Offices ihre Gold-Allokation nur moderat erhöhen, könnte das bereits spürbare Auswirkungen haben. Wenn der Anteil etwa von zwei auf fünf Prozent steigen würde, käme eine neue Käufergruppe in den Goldmarkt.
Ronnie Stöferle bringt es sinngemäß auf den Punkt: Die Zentralbanken haben sich zuerst bewegt, die Family Offices schreiben gerade das Memo. Gemeint ist: Zentralbanken haben die strategische Bedeutung von Gold bereits erkannt und ihre Bestände ausgebaut. Family Offices könnten nun folgen – nicht aus kurzfristiger Spekulation , sondern aus langfristiger Vorsorge gegen Schuldenrisiken, Währungsrisiken und geopolitische Unsicherheit.
China kauft weiter Gold
Während Family Offices Gold erst noch stärker für sich entdecken könnten, ist China längst aktiv. Die chinesische Zentralbank nutzte die fallenden Preise im Juni erneut zum Kauf und erhöhte ihre Goldbestände um 15 Tonnen. Das war der größte monatliche Zuwachs seit Oktober 2023.
Ob China dabei bewusst mehr Metall kauft oder einfach bei gleicher Investitionssumme von niedrigeren Preisen profitiert, ist zweitrangig. Entscheidend ist: Die chinesische Nachfrage bleibt stabil. Das Vertrauen in Gold wird offensichtlich nicht durch kurzfristige Preisrückgänge erschüttert.
Damit bestätigt sich ein Trend, über den philoro TV bereits mehrfach berichtet hat: Gold wandert zunehmend von Westen nach Osten.
Hongkong baut seine Rolle im Goldmarkt aus
Eine weitere wichtige Entwicklung kommt ebenfalls aus Asien: In Hongkong wurde der Testbetrieb eines neuen Clearing-Systems für Gold aufgenommen. Damit entsteht eine eigene asiatische Drehscheibe für den Goldmarkt – inklusive Lagermöglichkeiten.
Das könnte praktische Folgen haben. Die Abhängigkeit von der Londoner Infrastruktur würde sinken, die Handelszeiten würden stärker auf den asiatisch-pazifischen Raum ausgeweitet und die asiatische Nachfrage könnte mehr Einfluss auf die Preisbildung bekommen.
Zudem soll eine eigene Gold-Benchmark eingeführt werden, die auch auf Bloomberg sichtbar ist. Damit könnte Hongkong seinen Einfluss auf die internationale Preisfindung weiter ausbauen. Aus einem Mitspieler könnte Schritt für Schritt ein Spielmacher werden.
Der Stellenwert von Gold verändert sich
Keine dieser Entwicklungen wird den Goldpreis über Nacht verändern. Doch zusammengenommen zeigen sie, wie sich der Stellenwert von Gold verschiebt. Zentralbanken kaufen weiter, China baut seine Position aus, Hongkong stärkt die Marktinfrastruktur und Family Offices denken zunehmend über neue Allokationen nach.
Das Bild ist klar: Gold wird nicht nur als kurzfristiges Investment betrachtet, sondern immer stärker als strategischer Vermögensanker in einer Welt mit hohen Schulden, geopolitischen Konflikten und wachsender Unsicherheit über die Zukunft des US-Dollars.
Fazit: Eine neue Käufergruppe könnte den Goldmarkt verändern
Der UBS-Report zeigt, dass Family Offices ihre Portfolios neu ausrichten wollen. Viele sorgen sich vor geopolitischen Konflikten, steigenden Staatsschulden und einer sinkenden Bedeutung des US-Dollars. Gleichzeitig liegt der Goldanteil in ihren Portfolios bisher nur bei zwei Prozent.
Genau darin könnte das Potenzial liegen. Wenn diese langfristig orientierten Kapitalpools ihre Goldquote erhöhen, würde eine neue starke Käufergruppe auf einen Markt treffen, in dem Zentralbanken und China bereits aktiv sind.