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philoro FAKTENCHECK: Kann das Silber-Defizit enden?

Droht dem Silbermarkt die Selbstregulierung?

18. Februar 2026

Fünf Jahre Angebotsdefizit, steigende Preise und hohe Aufschläge auf physisches Silber – der Markt scheint seit Jahren nur eine Richtung zu kennen. Die Nachfrage übersteigt kontinuierlich das Angebot, ausgeglichen wird die Lücke bislang nur durch Lagerbestände. Für viele Marktbeobachter ist dieses strukturelle Defizit der zentrale Treiber der Silber-Rallye. Doch nun taucht eine Theorie auf, die dieses Narrativ ins Wanken bringen könnte: Was, wenn sich das Defizit auflöst? Was, wenn wir plötzlich vor einem Überangebot stehen?

Genau dieser Frage geht Joachim Brandl in der aktuellen Ausgabe von philoro FAKTENCHECK nach.

Fünf Jahre strukturelle Unterversorgung

Laut Daten des Silver Institute hat der Silbermarkt inzwischen fünf Jahre in Folge mehr Metall verbraucht, als neu gefördert wurde. Besonders gravierend war das Defizit im Jahr 2024, doch auch aktuell bleibt der Markt im Minus. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wurde bislang durch Lagerbestände geschlossen – ein Zustand, der nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann.

Die Auswirkungen sind deutlich sichtbar. Der Silberpreis notiert trotz zwischenzeitlicher Korrekturen weiterhin auf erhöhtem Niveau. In Asien werden teilweise Prämien von bis zu 20 Prozent auf physisches Silber gezahlt. Gleichzeitig wird über mögliche Engpässe bei der physischen Auslieferung an Terminbörsen wie der COMEX diskutiert. Das Signal des Marktes ist klar: Silber ist knapp.

Die Gegenthese: Kommt die Nachfrageschwäche?

Doch es gibt eine Entwicklung, die dieses Bild verändern könnte. Sie betrifft vor allem die Solarindustrie – einen der wichtigsten Nachfragetreiber der vergangenen Jahre. Um globale Klimaziele zu erreichen, müssten jährlich rund 630 Gigawatt neue Solarleistung installiert werden, so die Internationale Energieagentur. Im vergangenen Jahr lag der Ausbau mit 654 Gigawatt sogar darüber. Einige Analysten gehen deshalb davon aus, dass der Höhepunkt erreicht sein könnte und die Neuinstallationen künftig zurückgehen.

Weniger neue Solarmodule würden perspektivisch auch weniger Silber benötigen – zumindest theoretisch.

Technologische Innovation als Wendepunkt

Noch entscheidender ist jedoch der technologische Fortschritt. Während im Jahr 2011 noch 73 Mikrogramm Silber pro Watt Solarleistung erforderlich waren, sind es heute nur noch rund 8 Mikrogramm. Die Industrie hat den Materialeinsatz massiv optimiert.

Parallel dazu entstehen neue Lösungen wie silberbeschichtetes Kupferpulver. Dabei werden feinste Kupferpartikel mit einer extrem dünnen Silberschicht im Nano- bis Mikrometerbereich überzogen. Diese Hybridtechnologie verbindet die hervorragende Leitfähigkeit von Silber mit den Kostenvorteilen und dem geringeren Gewicht von Kupfer. Das Einsparpotenzial ist erheblich: Der Silberverbrauch im Photovoltaiksektor könnte um 30 bis 50 Prozent sinken. Einige Marktteilnehmer sprechen bereits von einem beschleunigten „Trend zur Entsilberung“, der bis 2027 oder 2028 einen erheblichen Marktanteil erreichen könnte.

Was bedeutet das für den Silberpreis?

Grundsätzlich gilt: Wenn die Nachfrage sinkt, gerät auch der Preis unter Druck. Doch die Realität ist komplexer. Andere Industriezweige könnten freigewordene Mengen aufnehmen. Der Ausbau von KI-Rechenzentren, die Elektronikindustrie oder die Elektromobilität – mit einer prognostizierten Steigerung des Silberverbrauchs von 80 auf 94 Millionen Unzen jährlich – bleiben strukturelle Nachfragefaktoren.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass auch in diesen Bereichen Materialsubstitution und Effizienzsteigerung einsetzen. Der Silbermarkt befindet sich damit in einem Spannungsfeld zwischen struktureller Knappheit und technologischer Anpassung.

Reguliert sich der Markt selbst?

Es ist denkbar, dass wir einen klassischen Rohstoffzyklus beobachten. Ein Angebotsdefizit führt zu steigenden Preisen. Steigende Preise zwingen die Industrie zu Innovationen. Innovationen reduzieren den Verbrauch und verringern das Defizit – möglicherweise bis zu einem Gleichgewicht oder sogar Überschuss. Sinkende Preise wiederum könnten neue Anwendungen ermöglichen, die den Bedarf erneut erhöhen.

Ein Kreislauf, der sich über Jahre hinweg immer wieder neu formt.

Fazit: Silber zwischen Knappheit und Innovation

Für Anleger stellt sich daher nicht nur die Frage, ob Silber kurzfristig steigt oder fällt. Entscheidend ist, wie nachhaltig das strukturelle Defizit tatsächlich ist. Bleibt Silber dauerhaft knapp – oder erleben wir gerade den Beginn einer technologischen Anpassungsphase?

Der Silbermarkt steht an einem potenziellen Wendepunkt zwischen physischer Unterversorgung und industrieller Effizienzrevolution. Genau diese Dynamik analysieren wir im aktuellen Video von philoro TV ausführlich.

Sehen Sie jetzt die vollständige Folge und bleiben Sie informiert über die Entwicklungen am Edelmetallmarkt.