Eigentlich sollte im September die Marke von 4.700 US-Dollar fallen. Stattdessen kam die Korrektur: Gold verlor in US-Dollar rund 6,5 Prozent, Silber ebenfalls deutlich. Der wichtigste Grund dafür war die Rückkehr der Zinsen. Gleich drei große Notenbanken haben im September ihre Leitzinsen angehoben – und damit den Edelmetallen Gegenwind beschert.
Im neuen Monatsupdate von philoro TV geht es um die Frage, warum Gold und Silber im September nachgegeben haben, welche Rolle die steigenden Ölpreise spielen und weshalb die großen Käufer trotzdem nicht vom Markt verschwunden sind. Dazu kommt der gewohnte Blick auf Weltwirtschaft, Konjunktur und Inflation.
Gold korrigiert nach dem starken August
Ende August war die Stimmung noch deutlich optimistischer. In der philoro TV Community erwarteten 43 Prozent einen neuen Anlauf auf die Marke von 4.700 US-Dollar. Nur 17 Prozent rechneten mit einer Korrektur aufgrund wachsender Zinssorgen. Genau diese Gruppe sollte am Ende recht behalten.
Gold verlor im September in US-Dollar rund 6,5 Prozent. Für Anleger in Europa fällt das Minus etwas geringer aus: In Euro ging es um rund 4,7 Prozent nach unten, in Schweizer Franken um etwa 3,9 Prozent. Der Grund liegt im stärkeren US-Dollar. Da Gold international gehandelt wird, kann eine festere US-Währung den Goldpreis in Dollar zusätzlich belasten. Der langfristige Blick relativiert die Korrektur allerdings: Im Jahresvergleich liegt Gold weiterhin rund 14 Prozent im Plus.
Auch Silber gibt nach
Silber bewegte sich im September weitgehend parallel zu Gold und verlor in US-Dollar rund 6,4 Prozent. Auch hier lohnt sich der Blick auf das größere Bild. Gegenüber dem Vorjahr liegt Silber weiterhin mehr als 30 Prozent höher. Der September war damit vor allem eine Korrektur nach den starken Vormonaten – kein vollständiger Bruch des längerfristigen Trends.
Die Zinsen sind zurück
Im September haben gleich drei große Notenbanken ihre Leitzinsen erhöht. Den Anfang machte am 10. September die Europäische Zentralbank. Sie hob den Zinssatz auf 2,5 Prozent an. Am 16. September folgte die US-Notenbank Fed mit einer Anhebung auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent.
Auch die Bank of Japan erhöhte ihren Leitzins – auf 1,25 Prozent. Damit liegt das japanische Zinsniveau so hoch wie seit 1995 nicht mehr. Für Gold ist das zunächst Gegenwind. Das Edelmetall selbst wirft keine laufenden Zinsen ab. Wenn Staatsanleihen, Sparprodukte und andere verzinste Anlagen wieder höhere Erträge bieten, kann Gold für manche Anleger kurzfristig weniger attraktiv wirken. Genau diese Rechnung machte der Markt im September.
Weitere Zinserhöhungen bleiben möglich
Mit den jüngsten Zinsschritten könnte es noch nicht vorbei sein. Die UniCredit Bank Austria rechnet laut Video damit, dass die EZB im Dezember noch einmal nachlegen und den Leitzins auf 2,75 Prozent erhöhen könnte. Damit bleibt die Geldpolitik einer der wichtigsten Faktoren für Gold und Silber. Solange die Inflation über den Zielwerten der Notenbanken liegt, bleibt das Risiko weiterer Zinsschritte bestehen. Und genau hier kommt der zweite große Belastungsfaktor ins Spiel: der Ölpreis.
Der Nahostkonflikt treibt den Ölpreis
Im September hat sich die Lage im Nahen Osten erneut deutlich zugespitzt. Die Huthi-Rebellen haben laut Skript die Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle gebracht. Sie ist ein zentraler Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal.
Auch die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens soll getroffen worden sein. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus ein geopolitischer Risikofaktor. Die Folgen zeigen sich beim Ölpreis. Ende Juni kostete ein Fass Brent noch knapp 74 US-Dollar. Ende September lag der Preis wieder bei fast 100 US-Dollar. Auch Diesel ist deutlich teurer geworden. In Europa kostet ein Fass laut Video inzwischen fast doppelt so viel wie vor einem Jahr.
Warum eine Krise Gold diesmal belastet
Traditionell gilt geopolitische Unsicherheit als Unterstützung für Gold. Doch diesmal läuft die Wirkung über einen anderen Kanal. Steigt der Ölpreis, erhöht sich der Inflationsdruck. Höhere Inflation wiederum erhöht den Druck auf die Notenbank, die Zinsen hoch zu halten oder weiter anzuheben. Und höhere Zinsen sind kurzfristig ein Belastungsfaktor für Gold.
Die Kette lautet also: geopolitische Spannungen treiben den Ölpreis, steigende Energiepreise erhöhen die Inflation, die Notenbanken reagieren mit einer strafferen Geldpolitik – und Gold gerät unter Druck. Die Krise ist damit nicht an Gold vorbeigegangen. Sie wirkt nur anders als früher.
Die großen Käufer bleiben am Markt
Trotz der schwächeren Preise gibt es auch positive Signale: Die großen Käufer ziehen sich nicht zurück. Gold-ETFs haben im August weltweit rund 120 Tonnen Gold aufgenommen. Allein in den USA und Europa kamen jeweils rund 53 Tonnen dazu.
Auch die Zentralbanken kaufen weiter. Im Juli erhöhen sie ihre Bestände netto um 23 Tonnen. Davon entfielen allein 20 Tonnen auf China. Polen hält inzwischen rund 640 Tonnen Gold – 90 Tonnen mehr als zu Jahresbeginn. Damit setzt sich ein Muster fort, das sich bereits seit Monaten beobachten lässt: Die Preise schwanken, die strategische Nachfrage bleibt.
Weltwirtschaft hält sich besser als erwartet
Auch bei der Weltwirtschaft gibt es im September überraschend positive Signale. Die OECD geht davon aus, dass die globale Wirtschaft den Ölschock besser verkraftet als zunächst befürchtet. Umgeleitete Lieferwege und die Freigabe von Reserven haben dazu beigetragen, die Folgen abzufedern.
Für das laufende Jahr erwartet die OECD ein weltweites Wachstum von 2,9 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Inflation ein Problem. Für die G20-Staaten wird eine durchschnitte Teuerungsrate von 4,1 Prozent erwartet – höher als bisher prognostiziert. Das Bild bleibt also gemischt: mehr Wachstum als befürchtet, aber auch hartnäckigere Inflation.
Deutschland: bessere Stimmung, aber hohe Energiekosten
In Deutschland haben die großen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,3 Prozent angehoben. Auch das Ifo-Geschäftsklima verbesserte sich im September zum fünften Mal in Folge. Trotzdem steht der Aufschwung laut den Instituten weiterhin auf einem schmalen Fundament. Vor allem die Energiepreise bleiben eine Belastung für Unternehmen und Haushalte. Die wirtschaftliche Stimmung verbessert sich also – die strukturellen Probleme sind aber noch nicht verschwunden.
Österreich: Schwaches Quartal, bessere Aussichten
In Österreich ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gesunken. Laut WIFO handelt es sich dabei jedoch teilweise um einen statistischen Effekt, unter anderem durch höhere Förderungen und niedrigere Gütersteuern. Gleichzeitig zeigen wichtige Frühindikatoren wieder nach oben. Für das Gesamtjahr wird ein Wachstum von rund 0,8 Prozent erwartet. Weniger erfreulich entwickelt sich der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote erreichte im August den höchsten Stand seit Mitte 2021. Damit bleibt die österreichische Konjunktur fragil.
Schweiz überrascht positiv
Die Schweiz entwickelt sich erneut besser als erwartet. Die Expertengruppe des Bundes hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,9 auf 1,7 Prozent deutlich angehoben. Allerdings stammt fast die Hälfte dieses Wachstums aus der Pharmaindustrie und dem Exportgeschäft. Diese außergewöhnlich starke Entwicklung dürfte sich im zweiten Halbjahr nicht im selben Ausmaß fortsetzen. Das Schweizer Wachstum bleibt damit positiv, ist aber stark von einzelnen Branchen abhängig.
China: starke Exporte, schwache Nachfrage im Inland
In China zeigt sich weiterhin ein bekanntes Muster. Die Exporte legten im August um 25 Prozent zu. Gleichzeitig wuchs der Einzelhandel im Inland lediglich um 0,4 Prozent. China verkauft also weiterhin sehr erfolgreich in die Welt, während die Konsumnachfrage innerhalb des Landes schwach bleibt. Diese Ungleichgewichte machen die chinesische Wirtschaft weiterhin stark abhängig vom Export.
Inflation zieht wieder an
Die Inflationsdaten für August kennen in Europa praktisch nur eine Richtung: nach oben. In der gesamten EU stieg die Teuerungsrate von 3,0 auf 3,2 Prozent. In der Eurozone ging es ebenfalls auf 3,2 Prozent nach oben, nach 2,9 Prozent im Juli.
Deutschland meldete eine Inflation von 2,9 Prozent. Besonders stark wirkten sich die Energiepreise aus, die um 10,5 Prozent stiegen. Heizöl verteuerte sich sogar um fast 50 Prozent.
Auch Österreich verzeichnete wieder 3,2 Prozent Inflation, nach 2,8 Prozent im Juli. Treibstoffe waren um 26 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Etwas Entlastung brachte die reduzierte Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Lebensmittel waren im August sogar günstiger als im Vorjahr.
In den USA blieb die Inflation bei 3,4 Prozent, während die Schweiz eine Teuerungsrate von 0,8 Prozent meldete.
Öl, Inflation, Zinsen: der entscheidende Kreislauf
Damit schließt sich der Kreis für Gold. Bleibt Öl teuer, bleibt der Inflationsdruck hoch. Bleibt die Inflation hoch, haben die Notenbanken wenig Spielraum für eine lockerere Geldpolitik. Und solange die Zinsen hoch bleiben oder weiter steigen, muss Gold mit Gegenwind rechnen.
Damit hängt der Weg zurück zur Marke von 4.700 US-Dollar derzeit stärker denn je von der Entwicklung im Nahen Osten und an den Energiemärkten ab.
Fazit: Korrektur ja, Trendbruch noch nicht
Der September war für Gold und Silber ein schwieriger Monat. Nach dem starken August sorgten höhere Zinsen, ein stärkerer Dollar und steigende Energiepreise für eine spürbare Korrektur.
Gleichzeitig bleiben wichtige langfristige Faktoren bestehen. Gold liegt im Jahresvergleich weiter im Plus, Silber sogar mehr als 30 Prozent. ETFs und Zentralbanken kaufen weiter, während die Weltwirtschaft bislang robuster bleibt als befürchtet.
Kurzfristig entscheidet vor allem die Zinsfrage. Und die wiederum hängt stark am Ölpreis und an der Inflation. Die Marke von 4.700 US-Dollar ist damit nicht vom Tisch. Der Weg dorthin dürfte allerdings deutlich steiniger werden als noch Ende August gedacht.