Mehr als 40 Billionen US-Dollar Staatsschulden, jährlich rund eine Billion US-Dollar allein an Zinskosten – und eine Schuldenquote, die in den kommenden Jahren weiter steigen soll. Die USA stehen vor einem Problem, das sich kaum noch allein durch Sparen oder Wachstum lösen lässt.
Im neuen FAKTENCHECK von philoro TV geht es um eine unbequeme Frage: Kann Inflation dabei helfen, die reale Schuldenlast zu verringern? Und was würde eine gezielte Entwertung des Dollars für Sparer, Staatsanleihen und Gold bedeuten?
Mehr als 40 Billionen US-Dollar Schulden
Die Dimension der US-Staatsverschuldung ist schwer greifbar. Der Schuldenstand liegt inzwischen bei mehr als 40 Billionen US-Dollar. Allein für Zinsen muss Washington jährlich rund eine Billion US-Dollar aufbringen. Und der Trend zweigt weiter nach oben.
Besonders aussagekräftig ist die sogenannte Schuldenquote. Sie setzt die Staatsschulden ins Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung eines Landes. Für die USA soll sie in diesem Jahr bei rund 101 Prozent liegen. Schulden und jährliche Wirtschaftsleistung bewegen sich damit ungefähr auf demselben Niveau.
Das Congressional Budget Office erwartet laut Video allerdings, dass die Quote bis 2036 auf rund 120 Prozent steigt. Die Schulden wachsen also schneller als die Wirtschaft. Damit stellt sich die entscheidende Frage: Wie kann ein Staat eine immer größere Schuldenlast überhaupt noch bewältigen?
Inflation als Teil der Lösung?
US-Präsident Donald Trump hat dazu zuletzt eine klare Vorstellung formuliert: Die Inflation könne ruhig höher bleiben, weil sich die Schulden dadurch schneller zurückzahlen ließen. Was zunächst widersprüchlich klingt, folgt einer einfachen Logik.
Eine Schuld über eine Billion US-Dollar bleibt nominal immer eine Billion US-Dollar. Entscheidend ist jedoch, welche Kaufkraft diese Billion zum Zeitpunkt der Rückzahlung noch besitzt. Je stärker eine Währung an Kaufkraft verliert, desto geringer wird der reale Wert alter Schulden. Genau deshalb kann Inflation aus Sicht eines hoch verschuldeten Staates attraktiv sein.
Eine Billion bleibt eine Billion – aber nicht ihr Wert
Der Autor und frühere Berater Jim Rickards erklärt diesen Mechanismus mit einem drastischen Bild: Ein Staat kann seine Schuld nominal vollständig zurückzahlen – doch wenn die Währung bis dahin stark an Wert verloren hat, bekommt der Gläubiger zwar dieselbe Zahl zurück, aber deutlich weniger Kaufkraft.
Ein einfaches historisches Beispiel zeigt denselben Effekt: 1.000 D-Mark und 1.000 italienische Lire waren nominal dieselbe Zahl, hatten aber völlig unterschiedliche Kaufkraft.
Übertragen auf die USA bedeutet das: Wenn der Dollar langfristig entwertet wird, sinkt auch die reale Last der bestehenden Schulden. Für den Staat kann das hilfreich sein – für Sparer ist es das Gegenteil.
Wenn Kaufkraft langsam verschwindet
Inflation wirkt schleichend. Gerade deshalb wird ihre langfristige Wirkung häufig unterschätzt. Rickards rechnet vor: Bei einer dauerhaften Inflationsrate von drei Prozent halbiert sich die Kaufkraft einer Währung innerhalb von ungefähr 24 Jahren.
Bei fünf Prozent geht es deutlich schneller. Für Haushalte zeigt sich dieser Kaufkraftverlust unmittelbar im Alltag: Lebensmittel, Energie, Wohnen und Dienstleistungen werden teurer, während derselbe Geldbetrag immer weniger leisten kann. Die Zahl auf dem Konto bleibt bestehen. Was man dafür kaufen kann, verändert sich.
Die Inflation zieht wieder an
Auch aktuell ist das Thema wieder besonders relevant. In der Eurozone lag die Inflationsrate im September bei 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Damit geht die Entwicklung wieder nach oben. Von den Spitzenwerten aus dem Jahr 2022 ist Europa zwar weit entfernt. Entscheidend ist aber die Richtung: Die Teuerung fällt nicht weiter, sondern nimmt erneut zu. Die US-Notenbank Fed reagiert darauf mit höheren Zinsen. Genau hier entsteht allerdings ein politischer Zielkonflikt.
Hohe Zinsen machen die Schulden teurer
Fed-Chef Kevin Warsh verfolgt weiterhin das Ziel, die Inflation wieder in Richtung zwei Prozent zu bringen. Deshalb hat die Fed zuletzt die Zinsen angehoben. Für die Inflationsbekämpfung ergibt das grundsätzlich Sinn. Für einen Staat mit mehr als 40 Billionen US-Dollar Schulden entsteht dadurch allerdings ein neues Problem: Je höher die Zinsen, desto teurer wird die Refinanzierung der Staatsschulden. Alte Anleihen laufen aus und müssen durch neue ersetzt werden – zu höheren Zinsen. Damit wächst der Schuldendienst weiter.
Die USA stecken also in einem Dilemma: Niedrigere Zinsen könnten die Inflation anheizen. Höhere Zinsen erhöhen wiederum die Kosten des Schuldenbergs.
Der Dollar wird auf beiden Wegen belastet
Genau darin liegt einer der zentralen Punkte des Videos. Lässt die Politik höhere Inflation zu, verliert der Dollar an Kaufkraft. Bekämpft die Fed die Inflation dagegen mit hohen Zinsen, wird die enorme Staatsverschuldung noch teurer und kann das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der US-Finanzen belasten.
Der Dollar gerät damit auf zwei unterschiedlichen Wegen unter Druck: entweder durch direkte Entwertung oder durch einen immer schwerer finanzierbaren Schuldenberg.
Was bedeutet das für Staatsanleihen?
Steigende Inflation ist auch für Besitzer von US-Staatsanleihen ein Problem. Eine Anleihe kann zwar nominal eine bestimmte Rendite abwerfen. Wenn die Kaufkraft des Dollars gleichzeitig stark sinkt, bleibt real deutlich weniger davon übrig. Gläubiger müssen sich daher fragen, ob es langfristig sinnvoll ist, große Dollar-Reserven zu halten, wenn deren realer Wert kontinuierlich abnimmt.
Genau hier setzt die Argumentation von Rickards an: Wenn Zentralbanken und andere große Anleger das Vertrauen in die Kaufkraft einer Währung verlieren, suchen sie nach Alternativen. Und eine dieser Alternativen ist Gold.
Warum Zentralbanken Gold kaufen
Zentralbanken kaufen seit Jahren verstärkt Gold. Ein wichtiger Grund dafür ist die Diversifikation ihrer Reserven und die geringere Abhängigkeit von einzelnen Währungen. Gold kann nicht beliebig vermehrt werden, trägt kein Gegenparteirisiko und ist nicht direkt von der Finanzpolitik eines einzelnen Staates abhängig.
Aus Sicht von Rickards profitieren Edelmetalle deshalb auf zwei Wegen von höherer Inflation. Zum einen steigt ihr Preis in einer Währung tendenziell, wenn deren Kaufkraft sinkt. Zum anderen können Zentralbanken ihre Dollar-Bestände reduzieren und stattdessen Gold kaufen. Diese Käufe sorgen nicht automatisch für jeden neuen Rekordstand, können aber einen stabilen Nachfrageboden unter dem Markt bilden.
Immobilien, Gold und andere harte Werte
Rickards sieht Sachwerte grundsätzlich als Möglichkeit, Kaufkraft langfristig zu schützen. Dazu gehören etwa Immobilien und Edelmetalle. Der Gedanke dahinter ist einfach: Papiergeld kann ausgeweitet werden, reale Vermögenswerte dagegen nicht beliebig.
Wer langfristig Vermögen erhalten möchte, sollte deshalb nicht nur darauf achten, wie hoch der nominale Wert eines Investments ist, sondern wie viel reale Kaufkraft dahintersteht. Gold spielt in dieser Überlegung traditionell eine besondere Rolle.
Kommt eine neue Inflationswelle?
Immer wieder wird die aktuelle Entwicklung mit der Inflation der 1970er-Jahre verglichen. Damals kam die Teuerung nicht in einer einzigen Bewegung, sondern in mehreren Wellen. Manche Analysten halten es deshalb für möglich, dass auch die heutige Inflation noch nicht endgültig überwunden ist.
Sollte tatsächlich eine weitere starke Welle kommen, würde der Kaufkraftverlust von Dollar und Euro erneut in den Mittelpunkt rücken. Für Rickards wäre Gold in einem solchen Umfeld ein möglicher Anker. Wenn eine Währung an Kaufkraft verliert, benötigt man mehr davon, um dieselbe Menge Gold zu kaufen. Der Goldpreis steigt dann zumindest teilweise deshalb, weil die Währung schwächer wird.
Trump und die Fed verfolgen unterschiedliche Ziele
Damit entsteht auch ein politischer Konflikt. Donals Trump wünscht sich niedrigere Zinsen und scheint gleichzeitig bereit zu sein, höhere Inflation zu akzeptieren, wenn dadurch die Schuldenlast real sinkt und die Wirtschaft gestützt wird.
Fed-Chef Kevin Warsh verfolgt dagegen den offiziellen Auftrag der Notenbank: Preisstabilität und wirtschaftliche Entwicklung in Balance zu halten. Bislang hält die Fed deshalb an einer restriktiveren Geldpolitik fest. Wie lange dieser Kurs durchgehalten werden kann, bleibt eine entscheidende Frage. Denn jeder Monat mit hohen Zinsen erhöht die Belastung für den US-Staatshaushalt.
Fazit: Inflation löst Schulden – aber nicht ohne Preis
Inflation kann tatsächlich dabei helfen, den realen Wert von Staatsschulden zu reduzieren. Für einen hoch verschuldeten Staat ist das verlockend. Die Rechnung bezahlt allerdings jemand anderes: Sparer, Arbeitnehmer sowie Besitzer langfristiger Forderungen, deren Kaufkraft schleichend sinkt.
Gleichzeitig kann eine konsequente Inflationsbekämpfung über hohe Zinsen den Schuldendienst weiter verteuern. Genau deshalb steckt die US-Politik in einem schwierigen Dilemma. Egal, welchen Weg sie wählt – der Dollar steht unter Druck. Für Gold ist diese Entwicklung besonders relevant. Denn je stärker Anleger und Zentralbanken an der langfristigen Kaufkraft von Papierwährungen zweifeln, desto attraktiver werden begrenzte reale Vermögenswerte.